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Elektrische LKWs aus China: Servicenetz als Erfolgsfaktor in Europa



Unser Geschäftsführer Christian Kleiner war in diesem Jahr auf der IAA Transportation in Hannover unterwegs und hat sich vor Ort ein Bild davon gemacht, wie sich der Markt für elektrische Nutzfahrzeuge entwickelt.

Sein Eindruck: Chinesische Hersteller sind deutlich präsenter geworden. Nicht nur in der Anzahl der Anbieter, sondern auch bei dem, was sie zeigen. Während vor einigen Jahren vor allem elektrische Sattelzugmaschinen zu sehen waren, werden die Fahrzeuge inzwischen stärker auf den europäischen Markt und konkrete Anwendungen zugeschnitten.

Die IAA selbst bestätigt die wachsende internationale Präsenz. Mit 1.589 Ausstellern aus 46 Ländern erreichte die Messe 2026 einen neuen Höchststand. Unternehmen aus China gehörten dabei zu den besonders stark vertretenen internationalen Ausstellergruppen.

Damit werden chinesische elektrische LKWs auch für europäische Flottenbetreiber zunehmend interessant. Denn insbesondere bei Reichweite, Batterietechnik und Preis sind viele chinesische Anbieter ihren europäischen Wettbewerbern derzeit voraus.

Doch für den täglichen Einsatz reicht ein gutes Fahrzeug allein nicht aus. Denn gerade bei einem Nutzfahrzeug stellt sich sehr schnell eine andere Frage: Was passiert, wenn der LKW nicht fährt?


Elektrischer PKW und elektrischer LKW: Ein Ausfall hat andere Folgen


Das lässt sich gut am Vergleich mit dem elektrischen PKW zeigen.

Muss beispielsweise ein Tesla für längere Zeit in die Werkstatt, ist das für den privaten Nutzer natürlich ärgerlich. Wird für diese Zeit ein vergleichbares Ersatzfahrzeug bereitgestellt, lässt sich der Alltag in vielen Fällen trotzdem relativ problemlos organisieren.

Bei einem elektrischen Nutzfahrzeug ist das deutlich schwieriger.

Ein Abrollkipper oder Absetzkipper lässt sich nicht einfach durch irgendeinen anderen LKW ersetzen. Fahrgestell, Achskonfiguration, Aufbau, Maße, Gewichte, Nutzlast und Zulassungen müssen zum konkreten Einsatz passen.

Fällt ein solches Fahrzeug aus, geht es darum, ob ein Auftrag gefahren werden kann und ob der Betrieb weiterläuft.


Die größte Hürde: ein belastbares und dichtes Servicenetzwerk


Internationale Hersteller können technisch interessante Fahrzeuge anbieten. Ohne ein ausreichend dichtes Servicenetz bleibt der Einsatz für viele Flottenbetreiber trotzdem mit einem zusätzlichen Risiko verbunden.

Wie aufwendig der Aufbau eines solchen Netzwerks ist, zeigt der Blick auf Ford Trucks.

Ford Trucks ist seit 2021 auf dem deutschen Markt aktiv und hat sein Händler- und Servicenetz seitdem kontinuierlich ausgebaut. Auch fünf Jahre nach dem Markteintritt bezeichnet das Unternehmen den Ausbau seines Partner- und Servicenetzwerks weiterhin als zentralen Bestandteil seiner Entwicklung.

Das zeigt: Selbst ein international etablierter Hersteller mit einer bekannten Marke braucht Jahre, um in Deutschland ein dichtes Nutzfahrzeug-Servicenetz aufzubauen. Und dabei ist das Netzwerk von Ford-Trucks noch lange nicht mit den über Jahrzehnte gewachsenen Strukturen der etablierten europäischen LKW-Hersteller vergleichbar.

Für einen Flottenbetreiber macht das einen entscheidenden Unterschied. Je weiter die nächste qualifizierte Werkstatt entfernt ist, desto schwieriger werden Diagnose, Reparatur, Ersatzteilversorgung und letztlich die Planung im Ausfall.

Für neue chinesische Hersteller stellt sich damit eine entscheidende Frage: Wie schnell können sie eine Service-Infrastruktur schaffen, auf die sich europäische Flottenbetreiber im Alltag wirklich verlassen können?


Ausbau des Servicenetzes für elektrische LKWs durch Partnerschaften


Erste Hersteller gehen dieses Thema über Servicepartner an.

Ein Beispiel ist SuperPanther. Das Unternehmen hat 2025 eine strategische Kooperation mit Alltrucks vereinbart. Dadurch erhält SuperPanther für seinen elektrischen Heavy-Duty-LKW eTopas 600 Zugang zum europaweiten Alltrucks-Netzwerk für Wartung und Reparatur sowie zur 24/7-Pannenhilfe.

Auch SANY arbeitet beim europäischen Service seiner elektrischen LKW mit Alltrucks zusammen. Das Netzwerk umfasst laut Putzmeister mehr als 700 Partnerwerkstätten in 13 europäischen Ländern. Alltrucks übernimmt dabei Wartung, Diagnose und Reparatur der SANY-eTruck-Modelle.

SANY bringt zusätzlich einen Vorteil mit: Seit der Übernahme von Putzmeister im Jahr 2012 gehört der deutsche Betonpumpenhersteller zur SANY Group. Damit kann SANY auf langjährige Strukturen und Markterfahrung in Europa zurückgreifen. Putzmeister vertreibt die vollelektrischen LKW von SANY in Europa und bietet gemeinsam mit Alltrucks den dazugehörigen Service an.

Solche Partnerschaften sind ein wichtiger Schritt. Allerdings sind sowohl die Kooperation von SuperPanther mit Alltrucks als auch die Servicepartnerschaft rund um SANY eTrucks noch vergleichsweise neu. Und sie stehen nur für zwei von vielen chinesischen Herstellern, die derzeit versuchen, im europäischen Markt Fuß zu fassen.

Wie belastbar diese Servicemodelle im täglichen Einsatz tatsächlich sind, wird sich deshalb erst mit der Zeit zeigen. Entscheidend wird unter anderem sein, wie schnell Reparaturen abgewickelt werden können, wie zuverlässig Ersatzteile verfügbar sind und wie gut die Werkstätten auf die jeweiligen Fahrzeuge vorbereitet sind. Gerade bei spezialisierten elektrischen Nutzfahrzeugen zeigt sich die Qualität eines Servicenetzes nicht auf dem Papier, sondern dann, wenn ein Fahrzeug tatsächlich ausfällt.

Für Flottenbetreiber bleibt deshalb momentan noch eine gewisse Unsicherheit: Wie schnell ist ein Fahrzeug im Ernstfall wirklich wieder einsatzbereit?


Unser Eindruck: Reichweite und Preis öffnen die Tür, Verfügbarkeit entscheidet im Alltag


Elektrische LKWs aus China darf man nicht unterschätzen. Bei Batterietechnik, Reichweite und Preis haben viele Anbieter einen Vorsprung und erhöhen damit den Druck auf die etablierten europäischen OEMs.

Für Flottenbetreiber zählt aber nicht nur der Anschaffungspreis. Über die gesamte Einsatzdauer ist vor allem die Verfügbarkeit entscheidend, also Service, Ersatzteilversorgung und die Frage, wie schnell ein Fahrzeug nach einem Ausfall wieder einsatzbereit ist.

Genau hier haben etablierte Hersteller mit ihren über Jahre gewachsenen Servicenetzen aktuell noch einen Vorteil. Partnerschaften wie die von SuperPanther oder SANY mit Alltrucks können diese Lücke verkleinern.

Reichweite und Preis können den Markteintritt erleichtern. Ob sich chinesische elektrische LKWs langfristig durchsetzen, wird aber auch davon abhängen, wie zuverlässig sie im Alltag betreut werden können.

Überlegen Sie derzeit, ob elektrische Fahrzeuge eine sinnvolle Ergänzung für Ihre Flotte sein könnten? Wir schauen uns Ihre Anforderungen gerne gemeinsam mit Ihnen an und beraten Sie dazu, welche Lösungen für Ihren Einsatz sinnvoll sind.